De weißn Schwäne
An eenem Sonntach anne Panke,
da sitzt zur Frühlingsblüte
'n altet Muttchen uffe Banke,
inne Hand de Brotresttüte.
So kommt se her fast jedn Tach.
Noch schaffn es de Beene,
'n Stückchen wech vom Straßenkrach,
zu ihre Entn und de Schwäne.
Früher war der Otto mit,
zusammen kam se her.
Da war'n se beede ooch noch fit,
doch leida lebta jetz nich mehr.
So sitzt se hier nun mank de Blumen,
se denkt an alte Jahre;
und elejant holn sich de Krumen
frisch valiebte Schwanenpaare.
So sorglos schnattan, flattan, jagen,
ham scheinbar keene Sorjen.
Nich dauernd mit Jedankn plagen,
es jibt nur jetz, ditt jibt keen morjen.
Und in der janzen Frühlingswonne,
mank Blumen, Bienen, Schwänen,
da fallen in de frühen Sonne
zwee große, trübe Tränen.
...
Es steht in Pankow anne Panke
im schönen Blumenjarten
aus Holz ne leere Banke…
…und de weißn Schwäne warten
Evolution
Es ist schon ein paar Tage her
Da kroch ein Fisch einst aus dem Meer
Er war ein Vorfahr von den Lachsen
Und ließ an Land sich Beine wachsen
Er sprach, was soll ich mit dem Firlefanz
Und schmiss ihn weg, den langen Schwanz
Er wurde länger und viel breiter
Auch sein Kopf wurd schon gescheiter
Und im Lauf der ganzen Jahre
Wuchsen alsbald ihm die Haare
Das war im Winter angenehm
und etwas schick war's außerdem
Doch wenn die Höhe man bedenkt
So war das Sichtfeld eingeengt
Und soll es schöne Aussicht geben
So bleibt dann nur sich zu erheben
Auch können Bäume sehr gut nützen
Um vor Besuchern sich zu schützen
Welche ihn tagtäglich stressen
Nämlich um ihn aufzuessen
Doch hinter seiner flachen Stirn
Wächst unaufhörlich das Gehirn
Und so ersinnt der erste Affe
Erst das Feuer, dann die Waffe
Nun war er Herr in der Gemeinde
Er schlug Freunde und auch Feinde
Er wurd zu Strolchen, Mördern, Dieben
...ach Mensch, wär er doch bloß im Meer geblieben
Seine Majestät, der Herbst
Golden ist der Himmel und golden auch das Feld
So weich und warm das Licht, dass es bedeckt die Welt
Und golden sind die Blätter in dem Dach hoch über mir
Und strahlend schön, so wie ein Gott, tritt er durch diese Tür
Es tritt der Herbst hinein ins Jahr, hat mit dem Sommer kein Erbarmen
Er schreitet über das was war, mit siegreich offenen Armen
Er fegt mit einem Fingerstreich die Glut aus allen Ecken
Er bläst dem Baum ins alte Haar, den Boden zu bedecken
Er zieht dem Tag das Licht hinfort, verschenkt den Regen an das Land
Erstickt das Blühen und Erwachen, schon allein mit einer Hand
Versteckt im frühen Morgentau all die Pflanzen und Getier
Im Nebel dicht, wie feine Weben, bleibt es verborgen mir
Und lächelnd kühl auf seinem Thron, der Herbst beschaut sein Werk
Es ist die Zeit in der er herrscht, vom Tal bis hin zum Berg
Doch seine Macht, so stark und schön, ist nur von kurzer Dauer
Denn mit jeden kalten Tag, liegt schon der Winter auf der Lauer
Ein Abend für die Liebe
Er hatte extra den teuren Sekt gekauft, die Flasche schon geöffnet und in die zwei schönsten Gläser eingeschenkt... und hatte dabei etwas auf das Laken geklettert, weil er so sehr schäumte. Etwa zwanzig Teelichter beleuchteten zart und warm die wenigen Gegenstände auf den Regalen und Nachtschränkchen. Er hatte die Heizung auf eine hohe Stufe gestellt, weil er wusste, dass sie es kuschelig mochte. Nun schaute er das Bild, was sie voriges Jahr zusammen mit dem Weihnachtsmann auf dem Weihnachtsmarkt hatten machen lassen, an.und ein weiches Lächeln überzog sein Gesicht. Er musste nicht ständig Fotos von ihr betrachten, um sich seiner Liebe gewiss zu sein, auch nicht in gemeinsamen Erinnerungen kramen... Nein, er liebte sie so, wie sie war. Jetzt und hier.
Etwas aufgeregt zog er das T-Shirt über den Kopf und strampelte sich die Shorts von den etwas dünnen Beinen. Er konnte sich sehen lassen, die Frauen suchten seine Nähe. Er war immer freundlich, nicht zu freundlich, aber seine männliche Art machte Eindruck. Sie wusste aber, dass sie sich auf ihn verlassen konnte und er nur Augen für sie hatte.
Er kroch unter die Zudecke und schlug die Kissen nochmal schnell auf... dann hauchte er in die hohle Hand, um sich zu vergewissern, dass er nicht noch nach Zwiebelmett roch... alles gut.
Er hatte eine Rose zerpflückt und die Blätter über ihre Bettseite gestreut... sehr romantisch. Der CD-Player spielte IHR Lied... ein wunderschöner Song aus ihrem Lieblingsfilm.
Er hörte die Toilettentür klappern und wurde tatsächlich etwas aufgeregt... dann öffnete sich die Tür und sie stand vor ihm...
Ein liebevolles Lächeln umspielte ihre Lippen, während sie sich eine Träne aus den Augen wischte und ein leises ,,Dankeschön, Ich liebe Dich" flüsterte.
Er hob einladend die Bettdecke hoch und zwinkerte ihr zu. Sie zog sich schnell das dünne Hemdchen aus, das er so gern mochte und kuschelte sich an ihn.
Er reichte ihr ein Glas Sekt, küsste ihre Lippen und sie prosteten sich schweigend lächelnd zu.
Sie legte ihren Kopf an seinen Hals und sagte:,,Ich bin so glücklich, dass ich Dich habe."
Dann küsste er ihre Stirn und sog tief den Duft ihrer Haare ein... jetzt waren sie weiß, aber sie fühlten sich an wie früher. Auch ihre Haut war welk, aber es war ihre Haut... bereits seit 75 Jahren und er liebte sie.
,,Alles Liebe zur Goldenen, mein Liebling."